ERICH-KLABUNDE-PREIS 2008 des DJV für
Neun Finger, keine Papiere (44 Min., SWR 2007)


Mit dem Erich-Klabunde-Preis zeichnet der Deutsche Journalisten-Verband seit 1957 sozial engagierten Journalismus aus. In diesem Jahr hat die Jury den Preis an zwei Autoren-Duos verliehen, die über Monate Menschen begleitet haben, die ohne gültige Papiere in Hamburg leben.

Die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler haben sich bereits in mehreren Dokumentationen und Reportagen mit dem Themenkomplex Illegale Migration auseinandergesetzt. Ihr Film 'Neun Finger, keine Papiere', den PIER 53 für die SWR-Redaktion 'betrifft' produziert hat, vertieft diese Arbeiten.

Am Beispiel des jungen Bulgaren Mitko, der ohne gültige Papiere in Hamburg lebt, verdeutlichen die beiden Autoren, unter welchen Bedingungen sich illegale Einwanderer Tag für Tag in Deutschland durchschlagen. Der 24-jährige hatte ohne Papiere im Hamburger Hafen gearbeitet und bei einem Unfall seinen rechten Zeigefinger verloren. Trotzdem holte sein Chef keinen Krankenwagen, weil er Angst hatte, seine illegalen Geschäfte könnten auffliegen.

Monate später machte sich der junge Mann auf die Suche nach seinem ehemaligen Arbeitgeber. Mit Hilfe eines Anwalts wollte sich Mitko zumindest eine kleine Entschädigung erstreiten, die ihm nach deutschem Recht zusteht. Doch es kam anders. Die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler haben ihn vier Monate begleitet: bei der Suche nach Zeugen, nach Beweisen, nach Gerechtigkeit.

Während der Verleihung des Preises im Rahmen des Hamburger Presseballs (Fotos: Dana Anders) würdigte Laudator Menso Heyl die hohe journalistische Qualität der Produktion und zitierte aus der Urteilsbegründung der Jury: "Der 45-minütige Film besticht durch Authentizität, hervorragende Dramaturgie und eine Sprache, die sich durch Ruhe und Prägnanz auszeichnet. So sehen exzellente TV-Reportagen aus."

PIER 53 bedankt sich bei allen, die an dieser Produktion mitgewirkt haben: bei Boris Mahlau (Kamera), Torsten Reimers (Ton), Tim Boehme (Schnitt) und den SWR-Redakteuren Eva Witte und Kai Henkel. Unser besonderer Dank und Respekt gilt den Menschen, von denen dieser Film handelt. Ohne ihr mutiges Auftreten vor der Kamera wäre eine Dokumentation zu diesem Thema nicht möglich gewesen.

20.01.2008