Nominierung zum GRIMME PREIS 2017 für
Protokoll einer Abschiebung (44 Min., NDR 2016)


Eine unabhängige Auswahlkommission hat die PIER 53-Produktion 'Protokoll einer Abschiebung' für den diesjährigen Grimme Preis nominiert. Unter 1.000 Einsendungen konnte sich die Dokumentation, die erstmals ein umfassendes Bild von Abschiebungen in Deutschland zeichnet, in der Sparte 'Information & Kultur' durchsetzen. Die endgültige Entscheidung der Jury wird im März bekannt gegeben.

Zum Film:
Sie kommen in der Nacht, sie reißen Familien aus dem Schlaf, geben ihnen kurz Zeit zum Packen und setzen sie in ein Flugzeug: 'Zuführkommandos' heißen die Trupps von Polizei und Ausländerbehörde, die abgelehnte Asylbewerber abschieben. Mehr als 22.000 Männer, Frauen und Kinder mussten Deutschland im vergangenen Jahr auf diesem Wege verlassen. Doch wie laufen Abschiebungen konkret ab? Und gibt es keine Alternativen dazu?

Die Dokumentation 'Protokoll einer Abschiebung' zeigt erstmals im deutschen Fernsehen ein umfassendes Bild dieser harten Einsätze: Von ihrer minutiösen Planung über den nächtlichen Einsatz der 'Zuführkommandos' in den Unterkünften der Asylbewerber bis zu ihrer Ankunft im Heimatland. Dabei stell der Film auch die heikle Frage, was die Menschen dort erwartet.

Nach langen Recherchen hatte das Team um Regisseur Hauke Wendler die Möglichkeit, in Mecklenburg-Vorpommern eine Sammelabschiebung zu filmen. Dabei wurden in drei Tagen mehr als 200 Asylbewerber auf den Balkan abgeschoben. Ein Wunschprojekt des Innenministers Lorenz Caffier, der bei den Abschiebungen sogar persönlich vor Ort war. Aber auch eine umstrittene Maßnahme: Rheinland-Pfalz zum Beispiel setzt an Stelle von Abschiebungen auf 'Freiwillige Ausreisen'. Das sei nicht nur menschenwürdiger, so die zuständige Ministerin Anne Spiegel, sondern sogar wirtschaftlicher.

Die Dokumentation 'Protokoll einer Abschiebung' fasst die verschiedenen Ansätze sachlich zusammen, damit der Zuschauer sich ein eigenes Bild machen kann. Vor allem aber gelingt es dem Film, die nächtlichen Abschiebungen zu dokumentieren und so ein wichtiges Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, zu dem bislang kaum Bilder existieren.