Abgetaucht -
Illegal in Deutschland (44 Min., NDR 2006)


Buch/Regie: Hauke Wendler
Redaktion: Erika Mondry und Ralf Quibeldey
Produktion: NDR


Swetla ist im neunten Monat schwanger. Wo sie ihr Baby in Hamburg zur Welt bringen soll, weiß die Bulgarin nicht. Michael arbeitet in einem teuren Restaurant. Drei Euro verdient der Togolese in der Stunde. Wer krank ist, fliegt raus. Karim hat eine deutsche Freundin und ein deutsches Kind. Trotzdem droht dem Tunesier die Abschiebung.

Illegale Einwanderer, drei von einer Million. So viele sollen laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ohne gültige Papiere in Deutschland leben. Nirgends registriert, nirgends dokumentiert -abgetaucht. "Diese Menschen vertrauen niemandem", meint Fanny Dethloff, Flüchtlingsbeauftragte der Nordelbischen Kirche. "Man sieht sie nicht, man spürt sie nicht, sie sind kaum da."

Ein knappes Jahr hat Autor Hauke Wendler gebraucht, um in die Schattenwelt einzutauchen. Geheime Treffen in Hamburger Kneipen, in Cafés und Fußgängerzonen. Immer wieder haben sich die Dreharbeiten verzögert, weil illegale Einwanderer ständig Angst haben: Angst vor der Polizei, vor Kontrollen, vor der Kamera. Erst nach Monaten willigten die Protagonisten ein, ließen das Team teilhaben an ihrem Alltag:

Sieben Menschen, die auf 40 Quadratmetern leben, auf Matratzen vom Sperrmüll. Eine Achtjährige, die noch nie eine Schule besucht hat, weil dort Verhaftung und Abschiebung drohen. Mütter, die monatelang schwarz in einer Lagerhalle schuften, für einen Hungerlohn. Und selbst um den betrügt sie ihr deutscher Arbeitgeber noch. "Letztlich profitieren wir alle von diesen Menschen," meint Professor Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institutes, "von niedrigen Preisen und willigen Arbeitskräften."

"Ohne in Gefühlsduselei zu verfallen, gibt Filmemacher Wendler diesen Menschen ein Stück ihrer Würde zurück - indem er zeigt, dass es sie überhaupt gibt." (Der Spiegel, 31/2006)

"Ein einseitiger und wütender Film - und das macht ihn auch so sehenswert." (Der Tagesspiegel, 31.7.2006)

Der Film hat u. a. Einladungen zum Internationalen Filmfestival für Menschenrechte in Dresden, zum Festival One World in Berlin und zum Festival Européen des 4 écrans in Paris erhalten. Außerdem war er für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.