Deserteure unterm Hakenkreuz -
Leben mit der Fahnenflucht (44 Min., NDR 2006)


Buch/Regie: Hauke Wendler
Redaktion: Knut Weinrich
Produktion: NDR


Mehr als 60 Jahre ist es her, dass Ludwig Baumann das größte Unrecht seines Lebens widerfahren ist. Doch vergessen kann der 84-jährige nicht. Während des Zweiten Weltkriegs hat Baumann in der Todeszelle gesessen, verurteilt wegen Fahnenflucht. Dass ein Militärgericht ihn längst begnadigt hatte, das verschwieg man Baumann - zehn Monate lang. "Jeden Morgen denkt man, jetzt kommen sie, jetzt holen sie Dich raus", erzählt Baumann. "Und jeden Morgen bricht man zusammen, wenn die Wachen an der Zelle vorüber gehen."

Knapp 18 Millionen Männer haben in der deutschen Wehrmacht gedient. Hunderttausend, so schätzen Wissenschaftler, sind desertiert. Die meisten hat man eingefangen, gefoltert, verurteilt. In den USA haben Militärgerichte im Zweiten Weltkrieg 146 Soldaten hinrichten lassen, in Großbritannien waren es 40. In Deutschland hat die NS-Militärjustiz 30.000 Todesurteile gefällt. 20.000 wurden vollstreckt, so vermutet man, genaue Zahlen gibt es nicht.

Die Dokumentation zeichnet das Leben und Leiden von drei jungen Soldaten nach, die nicht mehr mitmachen wollten, die ihren Eid auf Führer, Volk und Vaterland gebrochen haben. Drei Beispiele, die verdeutlichen, was ein Leben mit der Fahnenflucht bedeutete - im Nationalsozialismus, aber auch später. Denn nach dem Kriegsende galten Männer wie Ludwig Baumann in Deutschland immer noch als vorbestraft. "57 Jahre hat man uns als Vaterlandsverräter beschimpft", so Baumann, "als Dreckschweine und Feiglinge".

Eine unabhängige Jury hat die Dokumentation im Rahmen des Bertha-von-Suttner-Preises mit einer "lobenden Erwähnung" bedacht.