Deutschland, Deine Pizza -
Von der Lieblingsspeise zum Industrieprodukt (44 Min., NDR 2013)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Sabine Reifenberg
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Ein- bis zweimal in der Woche gibt es Tiefkühlpizza bei Familie Goldhammer, manchmal auch öfter. "In Pizza könnte ich mich reinlegen", erklärt Vater Goldhammer und ist damit nicht allein. 800 Millionen Pizzen verzehren die Deutschen pro Jahr, weil es schnell geht und einfach ist. Aber was genau essen sie da eigentlich?

Formfleisch, Analogkäse und andere Lebensmittelskandale kamen und gingen, der Pizza konnte nichts etwas anhaben: Fastfood ohne schlechtes Gewissen. Dabei sind ihre Laborwerte mäßig. Von 18 getesteten Tiefkühl­pizzen befand die Stiftung Warentest nur drei für 'gut'. Der Rest: zu salzig und zu fettig. Bei übermäßigem Konsum warnen Experten vor Übergewicht und gesundheitlichen Problemen.

Ein knappes Jahr hat Autor Hauke Wendler gebraucht, um in die Schattenwelt einzutauchen. Geheime Treffen in Hamburger Kneipen, in Cafés und Fußgängerzonen. Immer wieder haben sich die Dreharbeiten verzögert, weil illegale Einwanderer ständig Angst haben: Angst vor der Polizei, vor Kontrollen, vor der Kamera. Erst nach Monaten willigten die Protagonisten ein, ließen das Team teilhaben an ihrem Alltag:

Doch die Industrie verdient blendend mit dem Fertigprodukt Pizza, dessen Rohwaren aus aller Welt importiert werden, um Kosten zu sparen: Die Tomaten kommen oft aus Italien oder Spanien, die Gewürze aus Indien, Mexiko oder Indonesien, der Knoblauch aus China. Die Folgekosten dieses weltweiten Handels mit Lebensmitteln zahlt die Allgemeinheit. "Die Luftverschmutzung, die mit den Transporten einhergeht, ist ja immer noch fast kostenlos", erklärt Jürgen Stellpflug von der Zeitschrift Öko-Test im Film. "Die wird am Ende von allen Menschen dieser Welt getragen."

Die Reporter Carsten Rau und Hauke Wendler machen sich auf eine Recherche-Reise durch Deutschland und Ita­lien. Sie drehen in Europas größter Pizza-Fabrik. Sie vergleichen Tiefkühlpizzen mit dem Original aus Neapel, der selbst ernannten Hauptstadt der Pizza. Sie lassen Pizzen auf Inhaltsstoffe und Verpackungslügen tes­ten. Und sie verfolgen die Spur der Rohwaren, von denen deutsche Pizza-Hersteller jedes Jahr Hunderttausende Tonnen importieren, und dokumentieren menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei der Tomatenernte. Denn ohne billige Arbeitskräfte keine billigen Lebensmittel.