Entscheider unter Druck -
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (44 Min., NDR/ARD 2016)


Buch/Regie: Michael Richter
Redaktion: Christoph Mestmacher
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


"Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?" Jeden Tag stellt Jochen Otten diese Frage. Denn Otten ist Entscheider beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Jetzt hängt sein Blick an Abdulahi Mohamed aus Somalia: Otten wartet auf eine Antwort, eine plausible Antwort. Mit Hilfe eines Dolmetschers berichtet der junge Mann, weshalb er Mogadischu verlassen hat.

Der Somalier ist einer von Hunderttausenden, die jedes Jahr in Deutschland um Asyl bitten. Beamte wie Jochen Otten entscheiden darüber, ob sie bleiben dürfen. Doch seitdem so viele Geflüchtete kommen, ist die Arbeit der Entscheider härter geworden. Das Bundesamt steht unter massivem Druck: Bis zum Jahresende, so hat es Amtschef Frank-Jürgen Weise versprochen, sollen alle Altfälle bearbeitet sein.

Für 'Die Story im Ersten' beobachtete Grimme-Preisträger Michael Richter über Monate exklusiv den Umbau der Riesenbehörde: In den neuen 'Ankunftszentren' soll innerhalb einer Woche über Asylanträge befunden werden. 'Entscheidungszentren' wurden eingerichtet, Tausende neuer Mitarbeiter eingestellt. Doch einige Hundert mussten bereits wieder entlassen werden – der Umbau verläuft nicht reibungslos.

Noch immer dauern Asylverfahren zu lange, das gibt auch Frank-Jürgen Weise zu. Immer wieder gehen Adressen von Asylbewerbern verloren, Bescheide werden falsch oder gar nicht zugestellt – für Geflüchtete kann das, wie der Film zeigt, dramatische Folgen haben. Auch Hilfsorganisationen fordern seit langem, dass die Bearbeitung der Anträge beschleunigt werden müsse. Doch so, wie das Verfahren jetzt vonstatten geht, befürchten Kritiker, dass viele Einzelfälle nicht ausreichend geprüft werden.

Für die ARD-Dokumentation 'Entscheider unter Druck' gewährt das Bundesamt exklusiv Einblicke in sein Innenleben. Zum ersten Mal überhaupt durfte ein Kamerateam bei den Planungen im engsten Führungszirkel filmen. Über mehrere Wochen beobachtete Autor Michael Richter Entscheider bei ihrer Arbeit und sprach mit ihnen über die Herausforderungen, die es bedeutet, jeden Tag Schicksal spielen zu müssen. Der Film zeigt aber auch, was es für Geflüchtete bedeutet, mitunter jahrelang auf eine Entscheidung warten zu müssen, über ihre Zukunft in Deutschland.


Pressestimmen:

"'Entscheider unter Druck' heißt eine ARD-Dokumentation, die (...) einen erhellenden Blick hinter die Kulissen der ideologisierten Migrationsdebatte wirft." (Jan Freitag, Neues Deutschland)

"Richter hat einen nüchternen, unaufgeregten Film gemacht. (...) Insofern handelt es sich bei ‚Entscheider unter Druck‘ um ein idealtypisches Stück öffentlich-rechtliches Fernsehen: um einen Beitrag zur Meinungsbildung." (Christian Bartels, epd medien)

"Der Filmbeitrag von Michael Richter hält sich mit Urteilen – bemerkenswert für die oft allzu reißerisch aufgemachte ARD-'Story' – zurück. Der Tonfall ist sachlich, ohne suggestive Musik, Alarmismus oder boulevardeske Überspitzung. (...) Sehr plastisch illustriert Richters Film, dass die Gewährung oder Nicht-Gewährung des Grundrechts auf Asyl mehr ist als nur ein Verwaltungsakt. (...) Bleibt zu hoffen, dass Jutta Cordt sich als neue Leiterin des BAMF ab 2017 diese Bestandsaufnahme zu Herzen nimmt." (Franziska Schuster, Frankfurter Rundschau)

"'Entscheider unter Druck' begleitet den Arbeitsalltag eines Mitarbeiters beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und zeichnet ein paradoxes Bild von der Behörde. (...) Am Ende hat man das unheimliche Gefühl, parallel zwei Filme geguckt zu haben: Der eine handelt von unglaublichen Pannen und Problemen im BAMF, der andere von dem Vorzeigebeamten Jochen Otten, der von diesen Problemen noch nie gehört hat." (Jens Müller, taz)

"Erstmals wurde einem Kamerateam dieser Einblick in die Arbeit des BAMF gewährt. Entstanden ist eine tiefgründige Analyse zur aktuellen Lage der Asylverfahren in Deutschland." (Anica Beuerbach, Greenpeace Magazin)