Früchte des Zorns -
Bürgerkrieg in Nordirland (44 Min., Autorenfilm 1993)


Buch/Regie: Carsten Rau und Jan Christoph Schultchen
Produktion: Carsten Rau und Jan Christoph Schultchen


Belfast 1992. Es herrscht Bürgerkrieg. Niemand ahnt, dass die Kontrahenten zwei Jahre später Friedensgespräche beginnen werden - auch die Filmemacher nicht. Die auf 16 mm gedrehte Dokumentation umreißt die Geschichte Nordirlands, die auf den Straßen Belfasts immer wieder herauf beschworen wird und einen Konflikt befeuert, der fast täglich Menschenleben kostet. Jeden Sommer brennen in den Armenvierteln der Stadt die Scheiterhaufen und Fahnen des jeweiligen Gegners. Spielmannszüge schmettern Marschlieder durch die Straßen, während Hausfrauen in Kitteln und Hausschuhen britische Soldaten beschimpfen.

Die Kamera begleitet nordirische Polizisten im Panzerwagen auf Patrouille. Jede Minute rechnen sie mit einem Anschlag, viele Kollegen haben sie schon verloren. Ein IRA-Kommando demonstriert in einer Hinterhofgarage den Bau einer Autobombe, "der Standardwaffe der Irisch-Republikanischen Armee", so ein Maskierter. Taxifahrer Brian verrammelt mit Eisengittern das Haus seiner Familie. Er zeigt die Einschusslöcher des letzten Mordanschlags, den er kurz zuvor überlebt hat. Dann wartet Brian auf die Nacht. Nachbarin Deborah hat drei Töchter, einen arbeitslosen Mann und einen Bruder. Dem zerschoss die IRA zur Strafe beide Knie, weil er einen Eckladen überfallen hatte. Deborah, überzeugte IRA-Anhängerin, schämt sich, mit so einem Bruder 'gebrandmarkt' zu sein. Alltag in einer europäischen Stadt.