Graf Rothkirchs Krieg -
Im Filmarchiv eines Wehrmachtsgenerals (44 Min., NDR 2006)


Buch/Regie: Carsten Rau
Redaktion: Rainer Markgraf
Produktion: NDR


Er war adelig, er war Offizier und er hatte zwei große Leidenschaften: Die Kavallerie und die Kamera. Von 1932 bis 1945 dokumentierte der Amateurfilmer General Edwin Graf Rothkirch sein eigenes Leben und das seiner Familie auf Schmalfilm. Doch Rothkirch inszenierte sich auch selbst. Als tugendhaften preußischen Offizier. Als schneidigen Kavalleristen. Als Ausbilder von SS-Offizieren. Die Bilder sollten eine glänzende Militärkarriere belegen. Doch die Recherche im Freiburger Militärarchiv offenbart Widersprüche, Karriereknicke und Eigenheiten Rothkirchs.

Immer wieder gelangte Rothkirch nach Rückschlägen in angesehene Positionen. Seine Nähe zur SS scheint dabei zumindest nicht hinderlich zu sein. Der Autor Carsten Rau montiert die Bilder des privaten Filmarchivs mit Aussagen von Zeitzeugen und des Sohnes Leopold sowie mit Auszügen aus Militärakten. So entsteht eine außergewöhnliche Dokumentation über einen adligen Offizier, der sich immer weiter verstrickt in ein verbrecherisches System.

Rothkirch filmte das Ende der Weimarer Republik und die Begeisterung vieler Deutscher für Adolf Hitler. Er filmte den Einmarsch im Sudetenland und seine Übergabe Lembergs an Hans Frank, einen der Verantwortlichen für den Völkermord an den europäischen Juden. Und er filmte den Krieg in Frankreich und Russland. Seine Schmalfilme dokumentieren ziehende Störche und Singspiele von Russinnen für die deutschen Offiziere. Währenddessen, so die Akten, "evakuierte" Rothkirchs Division ein "Judenlager" und übergab die Insassen der SS. Die letzten Filmrollen zeigen die Niederlage: Verlassene Städte, verbrannte Güter, Flüchtlinge auf dem Treck.

Doch Hobbyfilmer Rothkirch kapitulierte vor der Realität. Er wusste mehr als er filmte. Das geht aus Gesprächen hervor, die der britische Militärgeheimdienst nach Kriegsende heimlich aufzeichnete: Rothkirch berichtete einem Mitgefangenen, ein SS-Führer habe ihm anboten, Erschießungen von Juden zu filmen. Morgens oder nachmittags, ganz wie er wolle. Rothkirch sagte, er habe abgelehnt. Doch General Edwin Graf Rothkirch diente dem NS-Regime weiter. Bis zum Ende.