Himmel, Hölle und Hormone -
Von Müttern und Töchtern (44 Min., NDR 2008)


Buch/Regie: Tina Soliman
Regie: Verena Formen-Mohr
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


In Deutschland leben 41.945.500 Frauen - so die Statistik. Viele von ihnen sind Mütter; jede ist eine Tochter. Was verbindet sie - was trennt sie? Und was macht diese Beziehung so einzigartig? Die Autorin beobachtet drei Mütter und ihre Töchter im Alltag: bei den kleinen Streitereien und Animositäten, aber auch in Momenten von Glück und tiefer Verbundenheit.

"Für mich war es eine Segen, dass ich ein Mädchen bekommen habe", sagt Karen Backhus aus Hamburg. Ihre Tochter Jovanka ist heute 19 Jahre alt, sie selbst gerade mal 39. Die beiden stehen sich sehr nah. "Oft hält man uns für Freundinnen oder Schwestern", erzählt die Mutter stolz. Aber ist eine Schwangerschaft in jungen Jahren nur ein Segen? Ihre Freiheit habe sie damals eingebüßt, sagt Karen Backhus offen. Jetzt möchte sie, dass die Tochter auszieht, will noch mal von vorne beginnen. Doch auch Jovanka hat ihre Vorstellungen und Träume.

"Als Tochter den eigenen Weg gehen, das ist schwierig", sagt Katja Rautenberg. Die 42-jährige führt gemeinsam mit der Mutter einen schicken Dessousladen in Hannover. Das Interesse für Mode teilen sie, doch im Alltag gibt es immer wieder Streit: Mutter Gudrun Stolte hat das Geschäft unter Entbehrungen aufgebaut. Jetzt will sie, dass die Tochter mehr Ehrgeiz zeigt, enger mit ihr zusammenarbeitet. "Über das Geschäft geht manchmal die Herzlichkeit verloren", klagt Gudrun Stolte. "Die Chefin nimmt man nicht in den Arm. Aber die Mutter in mir, die hätte das manchmal so gern."

"Eine Mutter sein, das war für mich lange Jahre gleichbedeutend mit einem lebendigen Begräbnis", erzählt Karin Renner aus Hamburg. Fünf Kinder hatte ihre eigene Mutter zur Welt gebracht, ihr ganzes Leben danach ausgerichtet. "Da wollte ich nie hin", sagt Karin Renner. Erst die eigene Schwangerschaft brachte die Architektin zum Umdenken. Heute steht sie der Mutter näher denn je. Und die 84-jährige findet sich in der erfolgreichen Tochter wieder: "Vielleicht ist sie so, wie ich gern gewesen wäre. Aber damals war dafür keine Zeit."

Drei Beispiele, die für viele stehen, in denen sich widerspiegelt, was Millionen geprägt hat und noch prägt. Mütter und Töchter: Verbündete, Vertraute, Konkurrentinnen. Eine Beziehung zwischen Himmel, Hölle und Hormonen, zwischen Schuld und Schuldgefühl, Abgrenzung und Abhängigkeit - ein Leben lang.

"In sehr persönlichen Aussagen offenbaren die Frauen viel von ihrem Selbstverständnis, sparsam ergänzt durch informative Kommentare." (Hamburger Abendblatt, 10.12.2008)