Hobby mit Widerhaken -
Haben Fische Schmerzen? (44 Min., NDR 2013)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Christoph Mestmacher und Sabine Reifenberg
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


"Haben Fische eigentlich Schmerzen?" Das wollte der siebenjährige Sohn des Reporters Carsten Rau bei einem Angelausflug wissen. Mit der Frage seines Sohnes im Kopf macht sich Fernsehjournalist Rau auf eine Reise in die Welt der Sportangelei, die den meisten Menschen verschlossen bleibt.

Schätzungsweise vier Millionen Deutsche gehen angeln, kaum ein Teich im Land bleibt verschont. Doch das Treiben der Hobbyangler ist umstritten – Tierschützer beschimpfen Angler als Tierquäler. Die wehren sich, Fische seien nur instinktgesteuerte Kaltblüter, ohne jedes Schmerzempfinden. Doch ist das wirklich so?

Reporter Carsten Rau, seit seiner Kindheit selbst begeisterter Angler, reist für die Dreharbeiten quer durch Deutschland und bis in die USA. Dort dreht das Team in den Laboren von Verhaltensforschern. "Bei unseren Versuchen zeigten Fische dieselben Reaktionen wie Säugetiere, die unter Schmerzen leiden", so Professor Victoria Braithwaite von der Penn State University. "Es gibt noch keine gesicherten Beweise. Aber wir halten es für wahrscheinlich, dass Fische Schmerzen empfinden."

Müssen Tiere also leiden, damit Angler ihren Spaß haben? Das Tierschutzgesetz erlaubt Hobbyanglern den Fang von Fischen nur zum sogenannten "Nahrungserwerb". Doch eine wachsende Zahl von Anglern fängt Fische nicht mehr, um sie zu essen, sondern nur noch zu Trophäenzwecken: nach dem Fang und einem manchmal langen Kampf am Haken werden die Fische gewogen, gemessen, fotografiert und wieder ins Wasser geworfen. In manchen Seen würden zum Beispiel Karpfen zehn bis zwanzig Mal im Jahr gefangen, so meinen Fachleute. Neben möglichen Schmerzen erleiden die Tiere dabei unnötigen Stress. Deshalb ist das sogenannte Trophäenangeln in Deutschland verboten. Doch das Internet steckt voller Filme, in denen Männer mit lebenden Fischen prahlen – ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Die Reporter Carsten Rau und Hauke Wendler begleiten zahlreiche Sportfischer ans Wasser. Sie fragen nach, warum Angler eigentlich in ihrer Freizeit Fische fangen, wenn die Tiere dabei vielleicht Schmerzen haben. Und sie umreissen die wirtschaftliche Bedeutung eines Hobbys, mit dem die Industrie in Deutschland jedes Jahr mehrere Milliarden Euro umsetzt.

"Der Film regt zum Nachdenken an - und zwar nicht nur Angler." (Hamburger Abendblatt, 09.09.2013)

"Am Ende steht für Rau fest, dass die Möglichkeit für ein Schmerzempfinden bei Fischen besteht und er sein Handeln davon bestimmen lassen will. Der Weg zu dieser Erkenntnis ist nichts für sensible Gemüter. (...) Rau mutet dem Zuschauer harte Bilderkost zu. Seine filmische Argumentation aber ist sehenswert und schlüssig." (Neue Osnabrücker Zeitung, 09.09.2013)