Kumpel, Kerle, Konkurrenten -
Von Vätern und Söhnen (44 Min., NDR 2008)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Verena Formen-Mohr
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


In Deutschland leben 40.274.300 Männer - so die Statistik. Viele von ihnen sind Väter; jeder ist ein Sohn. Was verbindet sie - was trennt sie? Und was macht diese Beziehung so einzigartig? Die Autoren beobachten drei Väter und ihre Söhne im Alltag: bei den kleinen Streitereien und Animositäten, aber auch in Momenten von Glück und Verbundenheit, die ohne viele Worte auskommen.

42 Jahre hat Hans-Peter Gorkow auf dem Bau gearbeitet. Jetzt ist er in Rente und kommt doch nicht zur Ruhe. Seinen 38-jährigen Sohn muss er unterstützen, auf dem Pferdehof in Mecklenburg-Vorpommern. "Der Junge ist schwer krank und braucht Hilfe", sagt Gorkow senior. "Auch dafür hat man einen Vater." Doch im Alltag geraten die beiden immer wieder aneinander, vor allem für den Junior nicht einfach: Ohne den Vater könnte er den Traum von der Pferdezucht begraben. Mit dem Vater hat Alexander Gorkow ständig Ärger auf dem Hof und muss am Ende auch noch dankbar sein: "Da bin ich schon stolz drauf, dass er das hier alles noch macht."

Klaus Nachbar ist auf seinen Sohn stolz. Das war nicht immer so. Als Martin Nachbar vor Jahren verkündete, er wolle modernen Tanz studieren, da war der Senior, ein Großhandelskaufmann, mehr als überrascht. Heute treten die beiden mit dem Tanztheaterstück "Vater und Sohn" auf, das Martin Nachbar entwickelt hat. Für viele Zuschauer ist es ein befremdlicher Anblick, wenn die beiden sich stumm in den Arm liegen, wenn sie ihre Körper abtasten, auf der Suche nach Gemeinsamkeiten. "Als erwachsener Sohn berührt man seinen Vater nicht mehr so", erklärt Martin Nachbar. "Das wirft alle zurück auf ihre eigene Kindheit."

"Meinen Enkel kann ich in den Arm nehmen", sagt Horst Wippersteg, ein drahtiger Mann von 62 Jahren. "Mit meinem eigenen Sohn, da geht das nicht." Früher haben Horst und Marc Wippersteg so ihre Probleme gehabt: Der Vater - ein ehrgeiziger Test- und Rennfahrer. Der Sohn - ein Jugendlicher mit Gewichtsproblemen, der seinen eigenen Weg im Leben suchte. Heute verbringen die beiden viel Zeit zusammen - notgedrungen. Marcs elfjähriger Sohn Leon lebt für den Kartsport, Vater und Großvater unterstützen ihn bei den Rennen. Doch das bringt auch Probleme mit sich: "Mein Vater und mein Sohn sind unzertrennlich", sagt Marc Wippersteg. "Da hab ich manchmal Probleme, da reinzukommen."

Drei Beispiele, die für viele stehen, in denen sich widerspiegelt, was Millionen geprägt hat und noch prägt. Väter und Söhne: Kumpel, Kerle, Konkurrenten. Eine Beziehung zwischen Abgrenzung und Abhängigkeit, zwischen Kraftakt und Kräftemessen, Schuld und Schuldgefühl - ein Leben lang.