Neun Finger, keine Papiere -
Ein illegaler Tagelöhner will sein Recht (44 Min., SWR 2007)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Eva Witte und Kai Henkel
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Am 20. April 2006 hat Mitko seinen rechten Zeigefinger verloren, bei einem Arbeitsunfall im Hamburger Hafen. Doch der Chef holte für Mitko keinen Krankenwagen, weil er Angst hatte, seine Geschäfte könnten auffliegen. Denn Mitko ist ein illegaler Einwanderer: Einer, der für vier Euro die Stunde Container packt, ohne Ansprüche zu stellen.

Als der junge Bulgare endlich ins Krankenhaus kam, musste der Finger amputiert werden. Der Chef drückte ihm 200 Euro in die Hand, das war's. Keine Entschädigung, kein neuer Job, gar nichts. "Hätte ich gültige Papiere", sagt der 24-jährige, "hätte ich ihn damals schon verklagt. Doch betteln wollte ich nicht." Menschen wie Mitko haben sich damit abgefunden, dass sie kein Recht bekommen.

Eine Million illegale Einwanderer leben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Deutschland. Sie schlagen sich mit Schwarzarbeit durch, in ständiger Angst vor der Polizei, vor Kontrollen, vor einer Razzia. So wie die bulgarische Familie, bei der Mitko untergeschlüpft ist. Die Mutter seines Freundes putzt Hotelzimmer. Mehrfach hat man sie um den Lohn geprellt. Ihre 15-jährige Tochter muss in einem türkischen Männercafé bedienen. Zur Schule kann sie nicht, weil die Familie keine gültigen Papiere hat.

Aber selbst illegale Tagelöhner haben Rechte, auch Mitko. "Nach dem Gesetz steht ihm eine Entschädigung zu", meint Heiko Habbe, ein junger Rechtsanwalt. Mitko hat lange gezögert, bevor er sich an den Anwalt gewandt hat. Doch ein anderer Ausweg blieb ihm nicht. "Meine Mutter hat mir das Geld für die Fahrt nach Deutschland geliehen", sagt er. "So lange ich ihr das nicht zurückzahlen kann, will ich nicht zurück nach Bulgarien."

Im vergangenen Jahr hat Autor Hauke Wendler die Dokumentation 'Abgetaucht - illegal in Deutschland' realisiert, die für den Adolf-Grimme-Preis nominiert war. Gemeinsam mit Carsten Rau macht er sich erneut auf die Suche, in einer Schattenwelt mit eigenen Gesetzen. Vier Monate lang haben die beiden Mitko begleitet: bei der Suche nach Zeugen, nach Beweisen, nach Gerechtigkeit.

"Der Film von Carsten Rau und Hauke Wendler zeigt ein unfassbares Stück Leben in Deutschland." (Welt.de, 21.05.2007)

"Der 45-minütige Film besticht durch Authentizität, hervorragende Dramaturgie und eine Sprache, die sich durch Ruhe und Prägnanz auszeichnet. So sehen exzellente TV-Reportagen aus." (Begründung der Jury zur Vergabe des Erich-Klabunde-Preises)

Ausgezeichnet mit dem Erich-Klabunde-Preis des Deutschen Journalisten-Verbandes, nominiert für den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis.