S.O.S. Mittelschicht -
Wie schlecht geht es der Mitte tatsächlich? (44 Min., NDR 2010)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Sabine Reifenberg
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Monika Rakebrandt macht sich Sorgen. Ihre zehnjährige Tochter Isabelle braucht eine Zahnspange. Aber ob die Familie aus Wolfenbüttel sich die Zuzahlung von insgesamt 500 Euro leisten kann, weiß Frau Rakebrandt nicht. "Wir kommen aus der Mittelschicht, wir haben immer gearbeitet, immer sparsam gelebt", erzählt die junge Mutter. "Da kann es doch nicht richtig sein, dass meine Tochter mit schiefen Zähnen aufwachsen soll, nur weil die Löhne heute nicht mehr reichen?!"

So wie den Rakebrandts geht es immer mehr Menschen aus der deutschen Mittelschicht. Sie klagen über steigende Kosten, über hohe Steuern und Sozialabgaben. Sicher: Niemand von ihnen muss hungern. Aber das Versprechen der Nachkriegsjahrzehnte - leiste was, dann kannst Du Dir was leisten ­- gilt nicht mehr für jeden. Stattdessen herrscht Angst um den Arbeitsplatz, Angst vor dem sozialen Abstieg; "Statuspanik", wie Experten sagen.

Noch in den Achtzigern gehörten zwei von drei Deutschen zur Mittelschicht. Heute sind es nur noch 58 Prozent. Selbst wer gut verdient, hadert oft mit der Ungerechtigkeit. Ines Lalla und Carsten Lange sind beide berufstätig, haben zusammen 4.600 Euro netto im Monat. "Uns geht es gut", sagt Lange. "Aber manchmal packt mich die kalte Wut. Die da oben bekommen es hinterher geworfen, die da unten auch und die Mitte muss zahlen - wir!"

Zwei Wochen haben die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler in Wolfenbüttel gedreht; einer Kleinstadt, die für viele in Norddeutschland steht. Sie haben zwei Familien aus der Mittelschicht begleitet, zuhause und am Arbeitsplatz, haben mit den Menschen auf der Straße gesprochen oder auch dem Professor an der örtlichen Hochschule. Eine Spurensuche mit vielen offenen Fragen: Wie schlecht geht es der Mittelschicht tatsächlich? Was sind die wirklichen Gründe dafür? Und was kann man daran ändern?