Tutow -
Wo Deutschland am Ende ist (44 Min., NDR 2003)


Buch/Regie: Carsten Rau
Redaktion: Rainer Markgraf
Produktion: NDR


"Nicht einer, den ich hier sehe, hat noch Arbeit. Nicht ein einziger!" Alfred Rachow lehnt rauchend über der Brüstung seines Balkons und blickt auf die Plattenbausiedlung von Tutow in Mecklenburg-Vorpommern. Ein trauriger Flecken Deutschland, 60 Kilometer vor der polnischen Grenze: 1.700 Einwohner, mehr als 60 Prozent sind ohne Job.

Schon am Morgen stehen ein paar Arbeitslose vor dem Supermarkt und trinken. Wer kann, der packt den Umzugswagen und verschwindet, in die Großstädte oder gleich "rüber" in den Westen. Jeder vierte Tutower ist schon weg. Der letzte Gasthof hat vor einem Jahr dicht gemacht, die Filiale der Sparkasse ebenso. Der Bäcker ist weg. Der Zahnarzt will endlich in Rente, findet aber keinen Nachfolger. Und die Schule hat eine Frist von drei Jahren bekommen - dann soll sie geschlossen werden, in Tutow leben zu wenige Kinder.

Autor Carsten Rau zeichnet das düstere Portrait einer Region ohne Zukunft. Dabei hatte man nach der Wende große Pläne: Ein Investor wollte den Militärflughafen ausbauen, Freihandelszone sollte Tutow werden. Andere wollten Windkraftanlagen bauen, einen Freizeitpark, eine Rennbahn oder gar ein Sonnenaufwindenergiekraftwerk - ein 550-Meter-Turm, das höchste Bauwerk der Welt.

Aus all den Plänen ist nichts geworden. Nur die Abrissbagger haben in Tutow heute beständig Arbeit, reißen Plattenbau um Plattenbau ein. Eine Dokumentation über Menschen und ihre Hoffnungen - und den unaufhaltsamen Niedergang eines Dorfes am Rande der Republik, dort "wo Deutschland am Ende ist".