Unter Verbrechern -
Was tun mit jugendlichen Gewalttätern? (44 Min., NDR 2009)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Christoph Mestmacher und Sabine Reifenberg
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Homan hat schon oft zugeschlagen. Beim letzten Mal zertrümmerte er seinem Opfer den Kiefer. "Wenn mich einer provoziert", sagt der 21-jährige, "dann ist das wie ein Blitz in meinem Kopf. Und dann ist alles egal!" Jetzt sitzt der schmale junge Mann mit sieben anderen Gewalttätern in einem Anti-Aggressions-Training und redet darüber, wie er Menschen "kaputt haut".

Das mehrmonatige Training ist für die Jugendlichen die letzte Bewährungschance. Hier sollen sie lernen, gewaltfrei zu leben. Wer sich verweigert oder den Kurs abbricht, der muss ins Gefängnis - so will es das Gesetz. "Diese Jugendlichen haben keine Hemmungen, jemandem mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Und sie kennen kein Mitgefühl für ihre Opfer", so Therapeut Aris Hegermann.

Im Kurs sollen die Gewalttäter lernen, Provokationen zu ertragen ohne durchzudrehen, U-Bahn zu fahren, ohne jemanden zu verprügeln. "Die meisten der Täter haben kein Selbstwertgefühl", meint Gert Fillies, Sozialpädagoge. "Das haben sie nur dann, wenn andere sich vor ihnen fürchten. Diese Jugendlichen kennen keine Grenzen, viele von ihnen schreckt nicht mal das Gefängnis ab."

Um das zu ändern, arbeiten die Anti-Aggressions-Trainer eng mit dem Verein 'Gefangene helfen Jugendlichen' zusammen. Der Verein arrangiert Treffen mit Inhaftierten der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, im Volksmund 'Santa Fu' genannt. "Die meisten Jugendlichen glauben, die Gefangenen hier würden ein lockeres Leben führen und den ganzen Tag Gewichte stemmen", so der Vereinsvorsitzende Volkert Ruhe, der selbst eingesessen hat.

Die Gespräche im Knast, mit Bankräubern, Totschlägern und Mördern sollen den Jugendlichen klar machen, dass der Alltag hinter Gittern hart und einsam ist. "Geht raus und hört auf Mist zu bauen, ändert Euer Leben", sagt Oliver Jacobs, der wegen Mordes einsitzt. "Hier drinnen ist es zu spät." Doch viele der Jugendlichen werden es nicht schaffen - trotz Kurs.

Die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler haben die Arbeit mit den Intensiv­tätern über ein halbes Jahr mit der Kamera begleitet, durften als erstes Team seit et­lichen Jahren länger in Santa Fu drehen und unverdeckt Interviews mit Schwerverbrechern führen. Sie dokumentieren, wie mühsam und lang der Weg ist, bis zu einem Leben ohne Gewalt.