Arm und alt -
Wenn die Rente nicht reicht (29 Min., NDR/ARD 2008)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Erika Mondry
Produktion: PIER 53 Filmproduktion



Am Stadtrand von Bremen sitzt eine alte Frau am Küchentisch und ist verzweifelt. Drei Monate hat die 84-jährige keine Miete überwiesen. Jetzt droht ihr der Rauswurf. Doch wovon soll sie die 380 Euro Mietschulden zahlen? Die Frau am Küchentisch hat keinen Fernseher, kein Telefon, keine Couch. Sie ist arm und alt.

Schon heute leben 400.000 Rentner in Deutschland von Grundsicherung, von der Sozialhilfe für Senioren: 347 Euro im Monat plus Miete und Heizkosten. In 20 Jahren ist jeder Dritte Deutsche von Altersarmut bedroht, so schätzen Experten. "Das wird das Problem der Zukunft sein", meint auch Irmtraut Pommer von der Arbeiterwohlfahrt in Bremen. "Es gibt doch heute schon viele, die voll arbeiten und trotzdem von ihrem Lohn nicht leben können. Die werden später auch kaum Rente bekommen."

Seit 17 Jahren kümmert sich Irmtraut Pommer im Bremer Stadtteil Gröpelingen um Senioren wie die alte Frau mit den Mietschulden. Die Sozialarbeiterin hat viel Elend gesehen. Doch seit ein paar Jahren ist die Lage geradezu verzweifelt. "Früher gab es vom Sozialamt einmalige Beihilfen", so Irmtraut Pommer. "Heute müssen die alten Leute sehen, wie sie allein zu Recht kommen."

Zwei Wochen lang haben die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler Menschen begleitet, die arm und alt sind. Rentner, die ein Leben lang gearbeitet haben. Heute reicht es gerade mal für einen Kaffee aus dem Automaten, aber nicht mehr für eine neue Brille oder dritte Zähne.

"'Arm und alt' zählt zu jenen wünschenswerten, doch viel zu seltenen Sozialreportagen, die Unbehaglichkeit zumuten und auf Anhieb nachdenklich stimmen. Carsten Rau und Hauke Wendler dokumentieren höchst schlichte, keineswegs ungewöhnliche Fallbeispiele drohender oder längst vollzogener Altersarmut - dies gelingt ihnen engagiert, zugleich unaufgeregt und ohne Mitleidsgeheische. (...) So gerät der Film eindrucksvoll zum beschämenden Armutszeugnis unserer Gesellschaft." (aus der Begründung zur Vergabe des Regine-Hildebrandt-Preises)

"Es ist mir an die Nieren gegangen. Wenn man die Bilder sieht, kriegt man kalte Wut über Boni-Zahlungen für Manager." (Heide Simonis in ihrer Laudatio zur Preisvergabe)