Der große Rausch -
Nachtschicht in der Trinkerambulanz (29 Min., NDR 2003)


Buch/Regie: Hauke Wendler
Redaktion: Erika Mondry
Produktion: NDR


"Sie sind wegen Trunkenheit in Gewahrsam genommen", verkündet ein Schild an der Zellentür. "Verhalten Sie sich ruhig." Der Mann, an den sich die Botschaft richtet, bekommt nichts mehr mit. Er ist sturztrunken, an der Hand verletzt und nicht mehr ansprechbar.

In der Zentralambulanz für Betrunkene landen die Gestrandeten der Großstadt Hamburg: die Einsamen, die Verzweifelten, die Heimatlosen. Manche sind aggressiv, laut und ungepflegt. Felicitas Wolff kümmert das wenig. "Da gewöhnt man sich dran", meint die 50-jährige Leiterin der Station. Ein Herz für die "Kundschaft" müsse man haben, sagt sie, sonst könne man den Job nicht schaffen.

In den weiß gekachelten Schlafräumen der Zentralambulanz gibt es keine Möbel, nur Matratzen. Oft stinkt es bestialisch. Nach Kot, nach Erbrochenem, nach Schweiß und Urin. Felicitas Wolff nimmt die Gerüche kaum mehr wahr. Die ehemalige OP-Schwester arbeitet schon ihr halbes Leben hier. Rund 2500 Volltrunkene haben Rettungsdienste und Polizei allein im vergangenen Jahr eingeliefert.

Der Autor hat Schwester Felicitas zwei Wochen lang mit einem Kamerateam begleitet, war bei unzähligen Neuaufnahmen dabei, Nacht für Nacht. Mancher trunkene Patient gab sich betont höflich. Andere randalierten, gingen auf die Pfleger los. "Wir haben hier alles und jeden", sagt Felicitas Wolff, "von A wie Arzt bis Z wie Zuhälter."