Ein Toter und ein Wrack -
Die Ermittler von der Küste (29 Min., SWR 2011)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Kai Henkel und Jürgen Flettner
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Ein Holzkreuz steht an der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Brunsbüttel. Darauf das verblichene Foto eines Mannes, der hier ums Leben kam - erschlagen von einer dicken, gerissenen Schiffsleine, die ihn zerschmetterte und ins Wasser schleuderte.

Ermittler Jürgen Albers von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) steht an der Schleuse und grübelt. Warum musste der Mann sterben? Weshalb riss die Leine? Es werden noch Monate vergehen, bis Albers das Rätsel gelöst hat. "Ich kann eigentlich ganz gut mit dem Tod umgehen", so Jürgen Albers auf der Rückfahrt. "Nur einmal landete ein toter Segler als Akte auf meinem Schreibtisch. Und den Mann hatte ich seit Jahren gekannt. Das haben dann doch die Kollegen übernommen."

Jeder verunglückte Seemann, jede deutsche Schiffskatastrophe ist ein Fall für die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg. Die kleine Behörde klärt Unglücke auf und veröffentlicht ihre Berichte, ohne Rücksicht auf Widerstände zu nehmen. "Wir sind unabhängig gegenüber anderen Behörden und nehmen kein Blatt vor den Mund", so Albers. "So unabhängig wie wir arbeiten sonst nur Richter."

Manche von Albers' Fällen offenbaren haarsträubende Missstände in der Seefahrt: So die Havarie eines deutschen Frachters, der vor den Azoren mit Vollgas auf die Felsen fuhr. Der wachhabende Offizier war eingeschlafen. Die Ermittlungen ergaben, dass die verantwortliche Reederei Gesetze missachtete, Arbeitsbestimmungen nicht einhielt und ihre Besatzung bis zur Erschöpfung arbeiten ließ.

Über mehrere Monate haben Carsten Rau und Hauke Wendler Ermittler Jürgen Albers bei seiner Arbeit begleitet. Schien ein Rätsel schon fast aufgeklärt, entdeckte der penible Albers doch noch ein Detail, das dem Fall eine neue Wendung gab. Eine Reportage über die Suche nach Wahrheit in der harten Welt der Seefahrt.