Lohnsklaven in Deutschland -
Das Geschäft mit Leiharbeitern (29 Min., NDR/ARD 2009)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Erika Mondry
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Zehn Stunden war Ulrike Schwedka heute unterwegs, hat am Fließband Fisch verpackt. "Da ist der Kopf leer", sagt sie, "und die Beine tun einem weh". Und dennoch hat die allein erziehende Mutter von zwei Kindern, nach Abzug von Fahrtkosten, Steuern und Sozialabgaben, nur 34 Euro und 82 Cent verdient. Leiharbeiter wie Ulrike Schwedka schuften für Niedriglöhne und müssen ständig verfügbar sein. Wer nicht mitzieht, fliegt raus.

Mehr als 4.000 Zeitarbeitsfirmen gibt es in Deutschland. Doch die Branche lässt sich äußerst ungern in die Karten schauen. Fast ein halbes Jahr lang haben die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler recherchiert, haben bei mehreren Dutzend Firmen in ganz Norddeutschland angefragt. In Bremerhaven wurden sie fündig, durften über mehrere Monate immer wieder bei der Zeitarbeitsfirma ZPV drehen.

Weil der ZPV-Chef Rainer Wilmann es leid ist, dass niemand einen Unterschied macht zwischen den Guten und den Bösen in der Branche. Wilmann behandelt seine Angestellten fair, sagt er, und zahlt nach Tarif. Doch immer wieder werden Leiharbeiter um Geld geprellt. "Wir haben hier häufig Bewerber, die vorher bei anderen Firmen waren", erzählt Rainer Wilmann, "und dort stumpf und einfach betrogen worden sind." Da werden Zuschläge nicht ausbezahlt, Überstunden unterschlagen oder Kündigungsfristen nicht eingehalten. Doch kaum ein Leiharbeiter wehrt sich. Nach Schätzungen geht nur jeder zehnte vor Gericht.

Die Reportage zeichnet das ernüchternde Bild einer Branche, die noch im letzten Jahr als Wundermittel gegen Arbeitslosigkeit galt und heute in einem gnadenlosen Preiskampf versinkt. "Zeitarbeit ist ein hartes Geschäft, erst Recht in der Krise", sagt Rainer Wilmann. Ein Hauen und Stechen, das auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird.