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Die Kanalinseln (44 Min., NDR 2004)


Buch/Regie: Carsten Rau
Redaktion: Carola Meyer, Ralf Quibeldey und Alexander von Sallwitz
Produktion: Nonfictionplanet


Sark, Guernsey, Herm und Jersey - die Kanalinseln liegen wie vom Himmel gestürzte Felsen im Ärmelkanal vor der französischen Küste, doch sie gehören zur englischen Krone. Vom Atlantik haben die Kanalinseln ihre schroffe Küste, vom Golfstrom das milde Klima. Und die Menschen haben sich über die Jahrhunderte hinweg ein paar seltsame Eigenheiten bewahrt.

Auf Sark lebt der letzte Feudalherr Europas, Statthalter der Königin Elisabeth. Der Segnieur, so nennt man ihn, herrscht allein über die kleine Insel und ihre 500 Einwohner, mal abgesehen von der Außen- und Sicherheitspolitik. Autos sind verboten, ein altes Gesetz. Also fahren alle Trecker. Der Segnieur hat’s erlaubt.

Nur wenige Seemeilen westlich liegt Guernsey. Hier sammeln die Einwohner nach Feierabend gern Seeschnecken. Bei Ebbe zieht der dicke Imbissbetreiber Andy Ashplant mit seinen Freunden los. Nur wenige Stunden, bis die Springflut zurückkommt. Doch die Sache mit den Schnecken ist ein mühsames Geschäft: Stundenlang drehen die Männer keuchend glitschige Felsen um - nichts. Dann steigt Andy wie ein Walross in den kalten Atlantik und taucht nach den begehrten Leckerbissen. Am Ende des Tages gibt es ganze sechs Schnecken, blöde Witze von den Freunden und für Andy eine Unterkühlung.

Die Insel Herm, auf halbem Weg zwischen Guernsey und Sark, liegt im reißenden Gezeitenstrom, ein gefährliches Revier für die Schifffahrt. Adrian Heyworths Familie hat die Insel nach dem Krieg gepachtet. Unter der Woche gibt Heyworth auf Herm den Hotelchef, Viehzüchter und Spediteur, sonntags den Prediger. In seiner Freizeit fährt er mit dem Boot zu den Hummerfallen, nur seine Frau zuliebe: "Ich hatte schon so viel davon auf dem Teller. Nie wieder will ich Hummer essen!"

Jersey, die größte der Kanalinseln, kann man bei klarem Wetter von Frankreich aus sehen. Ein Paradies für Steuerflüchtlinge, Austernzüchter und Bestattungsunternehmer: Auf dem Friedhof der Gemeinde St. Brailard blickt man auf die Bucht und das Meer. "Wegen der schönen Aussicht wollen sich viele hier beerdigen lassen. Jetzt wird es eng", meint Pfarrer Mark Bond und hüpft in offenes Grab. "Hier, hören Sie? Das ist der Deckel eines alten Sarges. Der neue kommt morgen einfach oben drauf. So liegt hier inzwischen Generation auf Generation!"