Mein Haus ist dein Haus -
Leben mit Flüchtlingen (29 Min., NDR/ARD 2009)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Werner Grave
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


In einer Stunde geht die Maschine nach Nigeria. Juliet muss Abschied nehmen, von einem Traum und von neuen Freunden. Eigentlich wollte sie zu ihren Kindern nach Kanada. Doch die Flucht endete in Deutschland, wo Juliet niemanden kannte. Ohne Papiere hat sie sich durchgeschlagen. Dann fand die Nigerianerin Zuflucht bei ungewöhnlichen Menschen.

'Brot & Rosen' nennt sich die christliche Lebensgemeinschaft, die Migranten Obdach bietet, egal ob sie mit Papieren kommen oder ohne. Integration will man hier nicht diskutieren, sondern praktizieren. "Wir be­treuen keine Flüchtlinge, wir leben mit ihnen", betont Uta Gerstner, die gemeinsam mit ihrem Mann und mit drei anderen Frauen den Kern der Gemeinschaft bildet.

Auf die Bibel bezie­hen sich die fünf Christen: "Ich war fremd und ihr habt mich beherbergt." Der Alltag im Haus kommt pragmatischer daher: Da müssen Sprachbarrieren, Ängste und Traumatisierungen überwunden werden, mit denen viele Flüchtlinge und Migranten zu kämpfen haben. Da soll keiner bevormundet werden, jeder für sich selbst entscheiden und trotzdem muss ein Zusammenleben im Haus entstehen, das gewissen Regeln folgt.

Seit 1993 gibt es 'Brot & Rosen', von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, weil man die Me­dien scheut, aus Angst vor Abschiebungen und Repression. Zum ersten Mal durften die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler die Gemeinschaft jetzt über mehrere Monate mit einem Kamerateam begleiten. Ihre Reportage bietet Einblicke in eine Schattenwelt und portraitiert ein ungewöhnliches Lebensmodell.

"Kritisch und engagiert dokumentieren die Autoren Carsten Rau und Hauke Wendler die Alltagsereignisse in der Wohngemeinschaft. Das Leben ist einfach. Spenden und Einkünfte kommen in einen Topf und alle sind aufgefordert, sich an der Hausarbeit zu beteiligen. Doch die täglichen Probleme sind oft bitter."
(kna, 02.08.2009)