Repariert statt aussortiert -
Die Kämpfer gegen Elektroschrott (29 Min., SWR/ARD 2013)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Thomas Michel
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Berge von Waschmaschinen, Fernsehern und Kühlschränken türmen sich in der alten Fabrikhalle. "Die haben die Leute alle weggeschmissen", erklärt Elektromeister Karl Lorenz. "Dabei sind viele der Geräte noch vollkommen intakt. Da steckt nur eine Socke im Abflussschlauch. Aber funktioniert nicht, also weg damit. So läuft das heute!"

Jedes Jahr landen in Deutschland 600.000 Tonnen Elektrogeräte auf dem Schrott. Dass es anders geht, beweist ein Projekt im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Azur nennt sich die Einrichtung, das steht für 'Arbeitsinitiative für Zerlegung und umweltgerechtes Recycling'. Ein komplizierter Name, eine simple Idee: Wenn die Kommunen schon verpflichtet sind, Elektrogeräte recyceln zu lassen, warum nicht Nutzen daraus ziehen, für die Umwelt und die Menschen?

Karl Lorenz, der Werkstattleiter der Azur, und seine Männer suchen aus dem Schrott heraus, was sich reparieren lässt: Waschmaschinen, Geschirrspüler, Wäschetrockner. Alles wird akribisch überholt, getestet und blitzblank geputzt. Erst dann kommen die Geräte in die hauseigene Verkaufsabteilung.

Für viele hier die erste sinnvolle Tätigkeit seit Jahren. Denn die Azur arbeitet mit Langzeitarbeitslosen, sogenannten Ein-Euro-Jobbern; Menschen, wie der 28-jährige Michael Radolla, der in seinem bisherigen Berufsleben gescheitert ist. Hier bekommt er eine zweite Chance.

"Ist doch großartig!", strahlt Karl Lorenz. "Gut für die Umwelt und gut für meine Leute, die sonst frustriert Zuhause sitzen. Das könnte man in ganz Deutschland so machen, da bin ich mir sicher." Stattdessen kämpft die Einrichtung in Darmstadt-Dieburg ums Überleben. Denn seitdem die Bundesregierung im vergangenen Jahr die Mittel für Langzeitarbeitslose gekürzt hat, fehlt es dem Projekt an Geld und Arbeitskräften.