Schattenwelt -
Illegal in Deutschland (29 Min., NDR/ARD 2006)


Buch/Regie: Hauke Wendler
Redaktion: Barbara Biemann und Erika Mondry
Produktion: NDR


Swetla ist im neunten Monat. Wo sie ihr Baby in Hamburg zur Welt bringen soll, weiß die Bulgarin nicht. Michael arbeitet in einem teuren Restaurant. Drei Euro verdient der Togolese in der Stunde. Wer krank ist, fliegt raus. Karim hat eine deutsche Freundin und ein deutsches Kind. Trotzdem droht dem Tunesier die Abschiebung.

Illegale Einwanderer, drei von einer Million. So viele sollen ohne gültige Papiere in Deutschland leben, teilweise seit Jahrzehnten schon. "Diese Menschen vertrauen niemandem", meint Fanny Dethloff, Flüchtlingsbeauftragte der Nordelbischen Kirche. "Man sieht sie nicht, man spürt sie nicht, sie sind kaum da."

Ein knappes Jahr hat Autor Hauke Wendler gebraucht, um in die Schattenwelt einzutauchen. Geheime Treffen in Hamburger Kneipen, in Cafés und Fußgängerzonen. Immer wieder haben sich die Dreharbeiten verzögert, weil illegale Einwanderer ständig Angst haben: Angst vor der Polizei, vor Kontrollen, vor der Kamera. Erst nach Monaten willigten die Protagonisten ein, ließen das Team teilhaben an ihrem Alltag:

Sieben Menschen, die auf 40 Quadratmetern leben, auf Matratzen vom Sperrmüll. Eine Achtjährige, die noch nie eine Schule besucht hat, weil dort Verhaftung und Abschiebung drohen. Mütter, die monatelang schwarz in einem Lager schuften, für einen Hungerlohn. Und selbst um den betrügt sie der deutsche Arbeitgeber noch. "Letztlich profitieren wir alle von diesen Menschen", meint Professor Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institutes, "von niedrigen Preisen und willigen Arbeitskräften."

"Der Film beleuchtet diese Missstände auf eine wohltuend zurückhaltende Weise (...) und hinterlässt den Zuschauer ohne ideologische Forderung mit dem Gefühl, etwas wirklich gesehen zu haben, von dem er stets nur geahnt hatte, dass es das gibt - eine Schattenwelt in Deutschland." (Frankfurter Rundschau, 20.12.2006)

"Wendler gelingt es auch durch eine ruhige Kameraführung und behutsame Schnitte, die persönlichen Berichte der Immigranten so zu verdichten, dass sie zu einer großen Fallstudie geraten." (epd medien, 2/2007)

Aktualisierte 30-Minuten-Fassung der Dokumentation 'Abgetaucht - Illegal in Deutschland', die für den Adolf-Grimme-Preis nominiert war. Außerdem hat der Film eine Einladung zum Prix Italia in Verona erhalten.