Schlange stehen für altes Brot -
Armut in Deutschland (29 Min., NDR/ARD 2007)


Buch/Regie: Hauke Wendler
Redaktion: Erika Mondry
Produktion: NDR


Ein maroder Flachbau am Stadtrand von Stralsund, es regnet in Strömen. Bei jedem Wetter stehen hier Menschen Schlange. Auf Almosen der Stralsunder Tafel sind sie angewiesen. Auf Obst, Gemüse und Brot, ohne die sie nicht über die Woche kommen. "Früher kamen hierher viele Obdachlose", meint Waltraud Marzahl vom Deutschen Roten Kreuz. "Heute kann es jeden treffen, vor allem Familien und Alleinerziehende. Bei uns steht die neue Armut an."

Elf Millionen Menschen leben in Deutschland an der Armutsgrenze. Da bleibt oft nur der Gang zu Einrichtungen wie der Stralsunder Tafel. Doreen Ahrend zum Beispiel ist allein erziehend, hat zwei Kinder und lebt von Hartz IV. "Ohne die Tafel", sagt die junge Mutter, "kämen wir nicht über die Runden - keine Chance."

Die Hoffnung hat es schwer in Mecklenburg-Vorpommern. In keinem anderen Bundesland gibt es mehr Arbeitslose als hier: Fast jeder fünfte hat keinen Job. Doch viele schämen sich dafür, dass sie auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Auch Rainer Köhn hat Jahre gebraucht, um zur Tafel zu gehen. Und das, obwohl der arbeitslose Stahlbauer gleich auf der anderen Straßenseite wohnt. Eine Reportage über Menschen, die arm sind, die am Leben verzweifeln, die Schlange stehen für altes Brot.

"Die Milieustudie schafft es, auf behutsame Weise zu zeigen, wie erschreckend alltäglich Armut in Deutschland ist." (taz, 23.5.2007)

"Es ist dieses Verhaltene, Leise, Unterschwellige, dass die Atmosphäre der Hartz-IV-Gesellschaft in diesem Film so präzise widerspiegelt. (...) Es gibt kein Geschimpfe, keine Vorwürfe, keine Forderungen - es ist die Stille im Auge des Taifuns." (epd medien, 44/2007)